Luftaufnahme Betrieb 1970
Als Hanni und Peter Schwab-Weber 1970 den Bauernbetrieb von Peter Schwabs Eltern übernehmen, ist die Situation alles andere als rosig. Die Kühe sind bereits verkauft, Schweine, Masthühner und etwas Ackerbau auf dem bescheidenen eigenen Land, das wars. «Wir müssen etwas unternehmen», denkt sich das junge Ehepaar. Zahlreiche Ideen schwirren in den beiden Köpfen herum; von Schneckenzucht über Ziegenkäse bis zu Erdbeeranbau. Weshalb sie sich letztlich für die Beeren entscheiden, hat einen einfachen und ziemlich plausiblen Grund: Beide essen fürs Leben gern Erdbeeren.
 
Noch vor der Hochzeitsreise setzen sie das erste Vermehrungsfeld an, um die Setzlinge dann im Sommer auf einer halben Hektare direkt hinter dem Bauernhaus zu pflanzen. Mit einer ausgelehnten Gemüsepflanzmaschine und einem Traktor werden zwei Reihen auf einmal gepflanzt. Zeitgleich reifen die ersten Erdbeeren neben dem Vermehrungsfeld auf einer kleinen Fläche heran. Schön ausgebreitet auf dem Küchentisch werden die ersten Kilos begutachtet und vor allem bestaunt, bis sie Hanni Schwab in Aarberg verkauft.
 
1971 sind es schon zu viele, um auf dem Tisch ausgebreitet zu werden – Schwabs liefern ihre Erdbeeren an Usego und an andere, kleinere Händler.
Das Ehepaar Schwab-Weber spannt für die ersten Jahre mit dem Ehepaar Winkelmann aus Studen zusammen. Sie kaufen gemeinsam Maschinen, helfen einander und beraten sich gegenseitig.
 
Im Winter 1972 fährt Peter Schwab zum ersten Mal nach Grünberg (D) an ein Beerenseminar. Dort trifft er auf deutsche Landwirte, die in anderen Dimensionen denken und handeln. «Ich staunte ab der Grösse und der Fläche. Teilweise pflanzten sie auf über 60 Hektaren Erdbeeren an», erinnert sich Peter Schwab. Dort kann er sich austauschen, lernt Vieles rund um den Beerenanbau, aber auch rund um die Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, wenn man etwas Neues ausprobiert: Beispielsweise gibt es keine geeigneten Maschinen – alles muss erfunden, ertüftelt oder abgeändert werden.
 
Anfangs der 70er Jahre wird das Selbstpflücken zum ersten Mal aktuell – gemeinsam mit Winkelmanns starten sie in Altreu, Etziken (SO) und Walperswil. Die Pressekonferenz im Grünen Affen in Etziken am Vortag der Eröffnung zieht gerademal sechs Schreiberlinge an, aber das Echo danach ist gewaltig: In langen Kolonnen warten die Menschen, um aufs Feld eingelassen zu werden. «Damals waren Erdbeeren eine Rarität. Es gab nur einen kleinen Import aus Italien und die meisten hatten in ihren Gärten ein paar Pflanzen. Derart viele Erdbeeren auf einmal hatten wohl die wenigsten Menschen vorher gesehen», sagt Peter Schwab.
 
Mit dem Selbstpflücken beginnt eine neue Ära. Felder in Zürich, Basel und Fribourg folgen, die Menschen kommen mit Caren an, Peter Sue & Marc treten mitten im Erdbeerfeld auf, wie auch Kliby und Caroline; das Erdbeerpflücken wird zum Ereignis. Und zum ersten Mal gibt’s in der Schweiz Erdbeerwein zu kaufen.

 

Aber wie alles Neue verliert auch das Selbstpflücken nach einigen Jahren an Reiz. Da die Erdbeeren Hanni und Peter Schwab noch immer nicht zum Hals raus hängen, finden sie neue Wege, ihre roten Früchte an den Mann zu bringen. So sind es ab den 1980er-Jahren die Grossverteiler, die ihnen den grössten Teil der Beeren abnehmen. Aber mit diesem Absatzkanal kommen auch neue Herausforderungen auf Schwabs zu: Wie kommen wir zu ausreichend Pflückerinnen und Pflücker? Wo holen wir die Bewilligungen für sie ein? Wo schlafen sie während der Ernte? An wen verkaufen wir die Erdbeeren? Wie verhandelt man am besten? Welche Sorten eignen sich für den Verkauf an Grossverteiler?
 
Kaum hat sich alles eingependelt, geistern bereits wieder andere Ideen in ihren Köpfen umher, die anfangs 1990er-Jahre umgesetzt werden: sie setzen niedrigstämmige Apfelbäume, damit sie auch im Winter etwas verkaufen können, und bauen Folientunnel, um die Erdbeerernte zu verlängern. Gleichzeitig wird Hanni und Peter Schwab bewusst, dass diese Anbauart – Hors-sol-Produktion – viel Misstrauen hervorruft. Zahlreiche Betriebsbesichtigungen nehmen sie zum Anlass, um Missverständnisse rund um die Produktionsart zu beseitigen.
 
Dank den Betriebsbesichtigungen wird ein neuer Zweig entdeckt, vor allem für Hanni Schwab. Seit dem rapiden Rückgang des Selbstpflückens fehlt ihr der Kontakt mit Menschen. Nach den Besichtigungen tischt sie den Menschen Kleinigkeiten auf und merkt dabei, wie viel Spass ihr diese Arbeit macht. Nach und nach wollen immer mehr Menschen ihre Geburstage, ihre Hochzeit oder ihre Firmenfeste bei Hanni Schwab im Erdbeerland feiern. Nicht zuletzt natürlich wegen der üppigen Erdbeerdesserts, die im Sommer aufgetischt werden. Unterstützung beim Kochen und Servieren erhält die Bäuerin von Bekannten aus Walperswil, die während tagelangem Vorbereiten und nächtelangem Umsorgen der Gäste zu guten Freunden werden. Nach 18 Jahren Gastrobetrieb sowie Advents- und Osterausstellungen hängt Hanni Schwab 2012 die Schürze an den Nagel. Nun will sie zusammen mit ihren Ehemann den Ruhestand geniessen, mit den Grosskindern Zeit verbringen und die Welt sehen.


 
Aber nun wieder der Reihe nach. 2004 kehrt die Tochter Barbara Schwab Züger gemeinsam mit ihrem Mann Dominik Züger von einem längeren Auslandaufenthalt in die Schweiz zurück. Als Ingenieur Agronom steigt sie in den elterlichen Betrieb ein und lernt während der Betriebsgemeinschaft alles von der Pike auf. 2008 schliesslich übernimmt sie das Obst- und Beerenland ganz. Auch Barbara Schwab Züger gehen die Ideen nicht aus: Als erstes baut sie den Direktverkauf aus, indem sie im halben Kanton Bern Erdbeerstände aufstellt und die Erdbeeren dort verkaufen lässt. Laut Schwab Züger hat dieser Direktverkauf mehrere Vorteile: «Die Beeren sind frisch, stammen garantiert aus unserem eigenen Anbau und die Menschen wissen, was sie bekommen.»
 
Ebenfalls unter ihrer Federführung entsteht eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Bauernhauses, die eigenen Solarstrom produziert. Zudem wird das Regenwasser von den Folientunneln gesammelt, um damit die Pflanzen zu bewässern.